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endokrinologikum - Ein Unternehmen der amedes-Gruppe

Das endokrinologikum ist ein Verbund medizinischer Versorgungs-
zentren (MVZ), der sich in der Endokrinologie, d.h. den Hormon- und Stoffwechselerkrankungen, engagiert. Als weiterer Schwerpunkt wird vor allem die Rheumatologie entwickelt. Im endokrinologikum ... mehr

Gynäkomastie

Gynäkomastie ist eine ein- oder beidseitige Vergrößerung der männlichen Brustdrüse; im eigentlichen Sinn die hormonabhängige Vergrößerung des  Brustdrüsenparenchyms (sogenannte echte Gynäkomastie), im weiteren Sinn alle Formen einer augenscheinlich vergrößerten Brustdrüse, auch durch Lipideinlagerung bei Adipositas (sogenannte Lipomastie) oder regionale Tumoren (z.B. Lipome) verursacht (sogenannte Pseudogynäkomastie).

Man unterscheidet bei der Entwicklung einer Gynäkomastie eine (reversible) proliferative von einer (irreversiblen) fibrosierten Phase.

Ursachen der echten Gynäkomastie:

  • gesteigerte Östrogensekretion (z.B. in der Pubertät, feminisierende östrogenproduzierende Tumoren)
  • verminderte Androgensekretion (z.B. bei Klinefelter-Syndrom)
  • Organresistenz gegen Testosteron (z.B. bei testikulärer Feminisierung)
  • gesteigerte Sekretion von Prolaktin bzw. Gonadotropinen (z.B. bei Hypophysentumor)
  • Vorkommen häufig als physiologische Pubertätsgynäkomastie und im Rahmen einer Östrogentherapie bei Prostatakarzinom (wenn zuvor keine Mamillenbestrahlung vorgenommen wurde)
  • bei Akromegalie, Basedow-Krankheit, myoton. Dystrophie, Hodenatrophie, Hodenteratom, primärem Hypogonadismus, Hypophysenadenomen, Hypothalamusschäden, primärer Hypothyreose, Klinefelter-Syndrom, Leberzirrhose, konsumierenden Prozessen, chron. Hämodialyse
  • sowie infolge Anwendung von Antiandrogenen 

 

Stadieneinteilungen

1. nach Hall, 1959

Grad I: Klinisch nur palpatorisch feststellbare Vergrößerung des Drüsenkörpers

Grad II: Bereits inspektorisch feststellbare Vergrößerung

Grad III: Entspricht weiblicher Brust nach Tanner 1996

2. nach Tanner, 1996

B1: Kein Brustdrüsenkörper tastbar

B2: Warzenhof vergrößert, Brustdrüse vorgewölbt

B3: Brustdrüsenkörper größer als Warzenhof

B4: Solider Brustdrüsenkörper

B5: Entspricht weiblicher Brust bis Makromastie


Diagnostik

1. Anamnese         

  • Aktuelle Beschwerden ?
  • Schmerzen ?
  • Galaktorrhoe ?
  • Pubertätsentwicklung ?
  • Pubertätsgynäkomastie ?
  • Gewichtsentwicklung ?
  • Medikation
  • Anabolika, Drogen wie z.B. Cannabis ?   
  • Vita sexualis ?
  • Sexuelle Stimulation an Mamillen ?
  • Piercing der Mamillen ?
  • Gebrauch ätherischer Öle (z.B. Lavendelöl oder Teebaumöl)?
  • Anwendung transdermaler Östrogene bei der Partnerin ?
  • Infektionskrankheiten (HIV-Status)
  • Mamma-Karzinom in der Familie ?

 

2. Körperliche Untersuchung inkl. Genitale und  Bilddokumentation Gynäkomastie

 

3. Labor       

  • Gesamttestosteron und SHBG
  • Estron, E2, LH, FSH, Prolaktin,
  • DHEAS, Androstendion, Cortisol
  • Leber- und Nierenwerte,
  • HCG, AFP
  • fT3, fT4, TSH
  • Chromosomen-Analyse, HIV-Serologie 

 

4.  Apparativ: Ausschluss viriles Mamma-Npl (Mamma-Sonographie), Ausschluss Hoden-Tumor (Hoden-Sonographie)

           

Therapie

Wenn medikamentöse Therapie erwogen wird, dann ist diese nur in der proliferativen Phase einer neu aufgetretenen Gynäkomastie sinnvoll. Therapie der Wahl ist Tamoxifen (10-) 20 mg /d für 3 (-6) Monate juristisch ist dies ein  individueller Heilversuch (off label)  - kein Präparat ist zugelassen. Tagestherapiekosten Tamoxifen 20 mg ab € 0,21. Optimistische Erfolgsraten liegen bei 83 % mit zumindest partieller Remission. In nahezu allen Fällen führt Tamoxifen zu einer raschen Schmerzfreiheit und Abschwellung.

Therapieversager einer medikamentösen Therapie sowie eine länger als 6-12 Monate bestehende Gynäkomastie sollte einer (meist beidseitigen) subkutanen Mastektomie und Liposuktion zugeführt werden.

Zuvor Klärung der Kostenübernahme mit der GKV/PKV.

Idealerweise sollte der Patient einem erfahrenen plastischen Chirurgen vorgestellt werden. Operativer Zugang über einen Mamillenrandschnitt (semizirkulärer Schnitt, intra-areolare Inzision), alternativ bei Makromastie der transaxilläre Zugang oder eine Mammareduktionsplastik.

 

 

 

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