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endokrinologikum - Ein Unternehmen der amedes-Gruppe

Das endokrinologikum ist ein Verbund medizinischer Versorgungs-
zentren (MVZ), der sich in der Endokrinologie, d.h. den Hormon- und Stoffwechselerkrankungen, engagiert. Als weiterer Schwerpunkt wird vor allem die Rheumatologie entwickelt. Im endokrinologikum ... mehr

Transsexualität und Intersexualität

Transsexualität ist keine sexuelle Störung, sondern eine Geschlechtsidentitätsstörung, daher ist der aus dem Amerikanischen stammende Begriff Transgender umfassender und letztlich präziser. Die Betroffenen selbst bezeichnen sich als transident.

Für die Behandlung transsexueller Patienten gibt es keine allgemeingültigen Leitlinien. Transsexualität ist in Deutschland als Erkrankung nach SGB V anerkannt, dies bedeutet, dass alle Kosten für Diagnostik und Therapie eine Leistung der Krankenkasse – unabhängig vom Versicherungsstatus – sind.

Differentialdiagnostik

Transvestismus:
♂ > ♀, das Tragen von Kleidung des anderen Geschlechts. Dies kann mit einer sexuellen Erregung verbunden sein. Die meisten Transvestiten verhalten sich heterosexuell. Es besteht definitiv kein Wunsch nach einer operativen Geschlechtskorrektur. Der Wunsch nach einer gegengeschlechtlichen Hormontherapie ist gelegentlich vorhanden.

Intersexualität:
eine Störung der sexuellen Differenzierung, bei der sich innere und äußere Geschlechtsorgane in unterschiedlicher Stärke ausgeprägt im Widerspruch zum chromosomalen Geschlecht entwickeln.

Beispiele:                   
46, XX  klassisches Adrenogenitales Syndrom bzw.
46, XY  bei inkompletter Androgenresistenz

Sonstiges:
z.B. Homosexualität bzw. Paraphilie (deviant sex behaviour).

Behandlungsstufen für transsexuelle Patienten

1. Stufe Diagnostik - "Selbstbehauptung" des Patienten

2. Stufe Alltagstest - Psychotherapeutische Begleitung

3. Stufe gegengeschlechtliche Hormonbehandlung - parallel Vornamensänderung nach § 1 TSG, Alltagstest,  ggf. Personenstandsänderung nach § 8 TSG

4. Stufe geschlechtsangleichende Operation(en) - lebenslange Hormonbehandlung

5. Stufe Nachbehandlung/Weiterbetreuung

 

Die einzige gesetzliche Grundlage ist das Transsexuellengesetz (TSG)-Gesetz über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszuge hörigkeit in besonderen Fällen vom 10. September 1980.

Das Gesetz erteilt jedoch lediglich die Legitimation zur Änderung des Vornamens (sogenannte Kleine Lösung) oder zur Änderung des Personenstandes (sogenannte Große Lösung). Es regelt keinerlei ärztliche oder psychologische Behandlungsmethoden bzw. eine Integration Transsexueller in das Arbeitsleben bzw. in die Gesellschaft.

Das TSG gilt nur für deutsche Staatsbürger, ausländisches Recht muss individuell geklärt werden.

Therapie

Nach Stellung der Diagnose Transsexualität und in der Regel Indikationsstellung durch den behandelnden Sexualtherapeuten bzw. erfahrenen Psychotherapeuten kann das therapeutische Procedere einer gegengeschlechtlichen Hormontherapie beginnen.

Es existieren unterschiedliche Empfehlungen in der Behandlung und Begutachtung von Transsexuellen, insbesondere, was die empfohlenen Mindestzeiten vor einer gegengeschlechtlichen Hormontherapie bzw. vor einer geschlechtsangleichenden Operation sind.                                                                                                                                                                                            Optimal ist ein sogenanntes  Transgender-Team zwischen Sexualtherapeuten, Endokrinologen, ggf. Kinderendokrinologen, endokrinologisch tätigen Gynäkologen und Urologen.

Prätherapeutisches Risiko-Screening
(Endokrinologe-Gynäkologe)

  • Einschätzung der Compliance - familiäres und soziales Umfeld?
  • Vorerkrankungen (Thromboembolische Ereignisse? Lebererkrankungen?) 
  • Prämedikation?
  • Lifestyle (Nikotin? Andere Drogen?)
  • Familienanamnese (Fettstoffwechselstörung? Thromboembolische Ereignisse? Hormonsensitive Tumore?)
  • Status präsens (Gewicht, Blutdruck, körperliche Untersuchung, Ausschluss von Fehlbildungen, Ausschluss von Intersexualität)
  • Bei Männern über 40 Jahre PSA und Prostata-Palpation
  • Bei Frauen gynäkologische Untersuchung, gegebenenfalls auch transvaginale Sonographie

 

Gegengeschlechtliche Hormontherapie (cross sex therapy)

1. Mann-zu-Frau Standardtherapie

Estradiol 4 mg/d (z.B. Estrifam® 2 mg oder Estradiol 2 mg Jenapharm® 1x2 Tbl./d) in Kombination mit Cyproteronacetat (CPA) (Androcur® 10 mg/d - 20 mg/d). Aufgrund des deutlich höheren Thromboserisikos kein Ethinylestradiol!

Alternative Therapieprinzipien

  • Verordnung von GnRH-Analoga (z.B. Decapeptyl® Depot, Trenantone®) in Kombination mit Gynokadin®-Gel, Estreva®-Gel oder Pflastersystemen bei höherem kardiovaskulären Risiko
  • alternativ auch Verordnung von Spironolacton 100-200 mg/d

 

2. Frau-zu-Mann Standardtherapie
Erstes Ziel ist es, Blutungsfreiheit zu erreichen, ggf. zunächst durch Verordnung eines oralen Ovulationshemmers im Langzyklus, wenn noch keine Indikation für die gegengeschlechtliche Therapie besteht.

Therapie mit GnRH-Analoga (Decapeptyl® Depot oder Trenantone®), in Kombination mit der Androgensubstitution.

  • Testosteron-Gel 25 - 50 mg topisch oder Verordnung von
  • Testosteronundecanoat 1000 mg (Nebido®) vierteljährlich i.m.

 

Geschlechtsangleichende Operationen

Persönliche Auswahl empfohlener OP-Zentren

  • Prof. Dr. Herrmann van Ahlen, Urologie Klinikum Osnabrück
  • Prof. Dr. Michael Sohn, Frankfurter Diakonie-Kliniken, Urologie St. Markus-Krankenhaus Frankfurt am Main 1   
  • Frau Prof.  Dr. Susanne Krege, Krankenhaus Maria-Hilf GmbH Krefeld, Klinik für Urologie und Kinderurologie
  • Dr. Liedl, Chirurgische Klinik München-Bogenhausen
  • Dr. Paul-J. Daverio, Klinik Sanssouci Potsdam

 

Autor: Dipl. Med. Jens W. Jacobeit

 

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