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endokrinologikum - Ein Unternehmen der amedes-Gruppe

Das endokrinologikum ist ein Verbund medizinischer Versorgungs-
zentren (MVZ), der sich in der Endokrinologie, d.h. den Hormon- und Stoffwechselerkrankungen, engagiert. Als weiterer Schwerpunkt wird vor allem die Rheumatologie entwickelt. Im endokrinologikum ... mehr

Vitamin D-Mangel

Das Vitamin D3  (im folgenden als Vitamin D bezeichnet) ist in der Natur weit verbreitet und wird in den meisten Pflanzen und Tieren abhängig von Sonnenlicht gebildet. Es wird zwar als Vitamin bezeichnet ist jedoch eigentlich ein Prohormon. Die Hauptaufgabe des Vitamin D-Hormons liegt in der Steuerung der Aufnahme von Calcium und Phosphat aus dem Darm, um es für die Knochenhärtung (=-mineralisation) zur Verfügung zu stellen. Zusätzlich gibt es positive Hinweise für Vitamin D-Wirkungen u.a. auf das Immunsystem, auf den Zyklus der Frau und die Hormonsynthese beim Mann, auf das Herz-Kreislaufsystem, auf das Wachstum von Tumoren und vor allem auf die Muskelfunktion.

Folgen des Vitamin D-Mangels
Ein Vitamin D-Mangel bei Kindern führt zu der sogenannten englischen Krankheit, der Rachitis. Bei Erwachsenen wird beim Vitamin D-Mangel der neu gebildete Knochen nicht mineralisiert (gehärtet), es kommt zur Osteomalazie (Knochenerweichung). Entgegen allgemeiner Annahmen ist in Deutschland in jeder Altersgruppe der Vitamin D-Mangel weit verbreitet und führt auch zu Knochenveränderungen in der feingeweblichen Untersuchung. Eine besondere Rolle spielt der Vitamin D-Mangel im höheren Alter. Dabei kommt es zur Abnahme der Vitamin D-Synthese in der Haut auf 1/4, zu einer abnehmenden Aktivierung des Vitamin D-Hormons in der Niere, zu einer verminderten Wirksamkeit des aktiven Vitamin D-Hormons am Darm und damit zu einer Abnahme der Calciumaufnahme aus der Nahrung. Es resultiert eine Freisetzung von Calcium aus dem Knochen mit einem Calciumverlust und einer Knochenerweichung, die zu einer erhöhten Knochenbruchrate führt. Zusätzlich nimmt die im Alter bereits eingeschränkte Muskelfunktion weiter ab; die Sturzhäufigkeit als Ursache für Brüche steigt weiter. Wird eine medikamentöse Osteoporosetherapie durchgeführt, sind die Medikamente bei normalem Vitamin D-Spiegel besser wirksam als bei erniedrigten Werten.


Vitamin D in der Nahrung
Einige Nahrungsmittel enthalten Vitamin D, z. B. fetter Fisch, Eier und Milchprodukte. In Deutschland wird die Nahrung bisher nicht mit Vitamin D angereichert, was in einigen anderen Ländern der Fall ist.

Lebertran 330

Dorschleberöl 210

Hering 31

Lachs 16

Sardine 7,05

Kalbfleisch 3,8

Hühnerei 3,5

Leber (Rind) 1,7

Leber (Geflügel) 1,3

Kabeljau 1,3

Sahne 1,1

Kuhmilch 0,0


Tabelle:
Vitamin D3-Gehalt von Lebensmitteln µg/100 g
1 µg = 40 IU
(Quelle: Wikipedia)

Vitamin D durch Sonnenlicht
Die Vitamin D-Synthese in der Haut macht ca. 60 bis 90% der Gesamtmenge Vitamin D aus und ist von der Jahreszeit, der Tageszeit, dem Wetter, dem Hauttyp, der Umgebung, der Kleidung und der Aktivität abhängig. Die Verwendung von Sonnenschutz reduziert die Vitamin D-Synthese unter 1%, im Alter ist sie auf ca. 25 % reduziert. Eine Bestrahlung von 25 % der Haut (Gesicht und ungeschützte Arme) mit Sonnenlicht bzw. UV-B Äquivalent für 3 bis 7 min 3 x pro Woche ist vergleichbar mit der Gabe von 400 IU Vitamin D3, damit werden aber nur Spiegel um 60 nmol/l erreicht, was nach den aktuellen Normwerten zu niedrig wäre. In Deutschland ist die Sonneneinstrahlung nur von Ende April bis Mitte September für diesen Besonnungsplan geeignet, in der restlichen Jahreszeit sind sehr viel längere Zeiten erforderlich, was bei kälterer Witterung dann nicht mehr durchführbar ist. Im Rahmen der Vorbeugung kann die Sonnenbestrahlung ein fester Bestandteil sein, insbesondere eine regelmäßige Besonnung ohne Sonnenschutz, üblicherweise wird ein Viertel der Dauer empfohlen, die zu einer Rötung der Haut führt. Eine zu lange Bestrahlung ist nicht sinnvoll, da dann das Vitamin D in der Haut auch wieder abgebaut werden kann, ein Sonnenbrand soll also nicht erreicht werden. Bei den > 65 Jährigen sollte die zusätzliche Gabe einer ausreichenden Menge Vitamin D gewährleistet sein, da dann die erwähnten Altersveränderungen den Vitamin D-Stoffwechsel negativ beeinflussen.


Vitamin D-Bestimmung

Nach internationalen Richtlinien soll eine Vitamin D-Messung nicht als breites Screening-Tool zum Einsatz kommen. Aufgrund der hohen Ausprägung der Unterversorgung wird ein genereller Ersatz ohne vorherige Messung des Blutwertes insbesondere bei älteren Menschen empfohlen. Eine Vitamin D-Messung erscheint im jüngeren Alter sinnvoll, vor allem bei V.a. Sonnenlichtmangel (z B. Immigrantenosteomalazie), Malabsorption (z.B. Magenoperation, Dünndarmerkrankungen) oder erhöhtem Vitamin D-Verbrauch (z.B. bei Einnahme von Antikonvulsiva).

Es gibt Hinweise, dass Zyklusstörungen bei der Frau und die Hormonsynthese beim Mann durch Vitamin D-Mangel verursacht werden und von einer Vitamin D-Gabe erfolgreich behandelt werden können. Bei Patienten mit dem Verdacht auf eine Osteoporose bzw. einer geplanten Therapie kann die Bestimmung sehr sinnvoll sein.

Auch unklare Muskelbeschwerden können Folge eines Vitamin-D-Mangels sein. Eine Messung des Vitamin D Spiegels kann auch bei Verdacht auf zu hohe Werte sinnvoll sein, es gibt erste Hinweise auf einen negativen Effekt von zu hohen Spiegeln, so dass von unkritischer Einnahme großer Mengen von Vitamin D abgeraten werden muss. Der Vitamin D-Speicher wird am ehesten durch die Messung des 25-OH-Vitamin D repräsentiert.

Effekte einer Vitamin D-Therapie
Angesichts eines relativen Vitamin-D-Mangels der Gesamtbevölkerung erscheint eine Substitution mit 800 – 2000 IU nach dem 65. Lebensjahr sinnvoll, im Rahmen einer medikamentösen Therapie der Osteoporose durchaus über Kassenrezept, um die regelmäßige Einnahme zu gewährleisten. Die Aufnahme von Calcium über die Nahrung oder als Tablette sollte in diesem Alter auf jeden Fall 1000 mg betragen. Die optimale Knochenbruchprophylaxe wurde in den Studien gefunden, in denen 25-OH-Vitamin D-Konzentrationen von ca. 75-100 nmol/l (entspricht 30 bis 40 ng/l) erreicht wurden. Unter der Gabe von 800 IU Vitamin D/pro Tag wird dieser Spiegel auch von 70% der Älteren nach 12 Monaten erreicht, unter 2000 IU Vitamin D von 90%. Als Faustregel gilt, dass die tägliche Aufnahme von 400 IU Vitamin D den Vitamin D-Spiegel um etwa 10 nmol/l erhöht. Bei einer Halbwertszeit von 3-6 Wochen kann Vitamin D täglich, wöchentlich oder monatlich eingenommen werden. Kontrollen der Vitamin D-Spiegel sind kurzfristig nicht sinnvoll, können aber nach 6-12 Wochen durchaus hilfreich sein, um den Effekt der Therapie zu beurteilen. Die Vitamin D-Therapie kann in der Dosierung von 800 bis 2000 IU auch langfristig bzw. unbegrenzt durchgeführt werden.

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