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endokrinologikum - Ein Unternehmen der amedes-Gruppe

Das endokrinologikum ist ein Verbund medizinischer Versorgungs-
zentren (MVZ), der sich in der Endokrinologie, d.h. den Hormon- und Stoffwechselerkrankungen, engagiert. Als weiterer Schwerpunkt wird vor allem die Rheumatologie entwickelt. Im endokrinologikum ... mehr

Therapie mit Glucocorticoiden

Es gibt völlig unterschiedliche Gründe, warum Glukokortikoide zur Therapie eingesetzt werden. Am häufigsten werden sie zur Behandlung von rheumatischen Erkrankungen, Autoimmunerkrankungen, Allergien, entzündlichen Krankheiten, einiger Lungenerkrankungen, Hauterkrankungen, Krankheiten des Nervensystems, nach Organtransplantation, aber auch im Rahmen anderer Therapien, wie z.B bei bestimmten Chemotherapien u.v.a.m. eingesetzt. Daneben werden Glukokortikoide auch in Form einer Hormonersatztherapie beim Ausfall der Funktion der Nebennieren oder/und der Hirnanhangsdrüse eingesetzt. Diese Vielfalt von Erkrankungen führt auch zu völlig unterschiedlichen Formen der Therapie, völlig unterschiedlichen Präparaten und Dosierungen, die eingesetzt werden und ganz unterschiedlichen Zeitspannen, über die sich solch eine Therapie erstreckt: von wenigen Wochen bis lebenslang.

Glucocorticoidensorten
Den körpereigenen Stoff "Cortisol" gibt es in Tablettenform als "Hydrocortison". Auch "Cortison" gibt es in Tablettenform, jedoch nicht mehr in Deutschland erhältlich. Dieses Cortison ist eigentlich inaktiv, doch wandelt der Körper diesen Stoff in der Leber in Hydrocortison um. Da das »Cortison« eines der ersten künstlich hergestellten Substanzen war, hat es der Glukokortikoidtherapie den Namen gegeben: "Cortisontherapie". Allerdings ist Cortison etwas schwächer als Hydrocortison. Beide Steroidhormone haben jedoch eine Gemeinsamkeit: sie haben eine relativ starke Wirkung auf den Salz-, Wasser- und Kaliumhaushalt. Eine Überdorsierung, also mehr als der Körper an diesen Hormonen selbst produziert, kann leicht zu einem Bluthochdruck oder/und Kaliummangel führen. Deshalb wurden viele Substanzen entwickelt, die dem Cortisol oder dem Cortison künstlich nachempfunden wurden. In der Regel ging bei diesen Stoffen der Effekt auf den Natrium-, Wasser- und Kaliumhaushalt verloren. Allerdings sind die anderen Effekte auf z.B. den Blutzucker oder Entzündungszellen viel stärker. Oft werden sie auch nicht so schnell abgebaut wie Cortisol, sodass sie in der Kombination eine stärker unterdrückende Wirkung auf die Hypophysen-Nebennierenachse haben. Eine wichtige Nebenwirkung kann deshalb die Entwicklung einer Hypophysen-Nebennierenrinden-Unterfunktion sein (siehe Patienteninformation »Nebennierenrindeninsuffizienz«).

Die unten stehende Tabelle gibt einen Überblick über unterschiedliche Präparate und stellt verschiedene Wirkstärken dar.

Substanz

Beispielname

Wirkdauer

Wirkstärke

Cortisol

Hydrocortison®

1 ½ – 6 Std.

1

Cortison

Cortisonacetat®

2 – 8 Std.

0,8

Prednisolon

Decortin H®

3 – 24 Std.

5

Prednison

Decortin®

3 – 24 Std.

4

Methylprednisolon

Urbason®

3 – 24 Std.

5

Dexamethason

Fortecortin®

3 ½ – 72 Std.

ca. 30

Diese Tabelle listet verschiedene Substanzen auf und vergleicht ihre Wirkstärken miteinander. Je höher diese ist, desto weniger muss im Vergleich von Hydrocortison eingenommen werden. So entsprechen 20 mg Hydrocortison ca. 4 mg Prednisolon (4 × Wirkstärke 5 = 20).

 

Verschiedene Formen der Glucocorticoiden-Therapie
Es gibt verschiedene ganz unterschiedliche Formen einer Glukokortikoidtherapie. Dabei gilt, dass die Nebenwirkungen in Abhängigkeit von der Höhe der Glukokortikoiddosis und der Dauer der Glukokortikoidtherapie eintreten. Wichtige Nebenwirkungen betreffen das Bewegungssystem (Muskelschwäche, Knochenschwund), das Immunsystem (Infektneigung, Blutbildveränderungen), den Glukosestoffwechsel (erhöhter Blutzucker), den Salz-/Wasserhaushalt (Bluthochdruck, Kaliummangel, Ödeme), die Magenschleimhaut (Entzündung), das Auge (Trübung der Augenlinse, grauer Star), die Blutgefäße (Blutungsneigung), die Haut (dünne Haut, Veränderungen des Haarwachstums, Akne, Bindegewebsschwäche (Blutergüsse, rote Streifen)) und das Fettgewebe (kräftiger Nacken, abgerundetes Gesicht). Darüberhinaus kann eine höherdosierte Glukokortikoidtherapie auch die Bildung der Sexualhormone hemmen und damit die Monatsblutung ausbleiben bzw. Potenzstörungen auftreten. Ganz wichtig ist, dass sie eine depressive Stimmungslage, Schlaflosigkeit und Hunger (Gewichtszunahme) hervorrufen kann. Sie kann zudem bei plötzlichem Absetzen eine behandlungspflichtige Nebennierenrindenunterfunktion verursachen.

 

Substitutionstherapie (Hormonersatztherapie)
Hierbei geht es darum, dem Körper mit der Menge an Glukokortikoiden zu versorgen, die ihm fehlt bzw. die er normalerweise selber produzieren würde (z.B. bei einer Nebennierenrindeninsuffizienz). Es geht also nicht darum, das Immunsystem oder eine Entzündungsreaktion zu kontrollieren, und deshalb müssen nicht die Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden, die sonst eine ganz wichtige Rolle spielen. Da das Cortisol die höchste Blutkonzentration am Morgen aufweist und die niedrigste Konzentration um Mitternacht, wird oft versucht, die Glukokortikoidtherapie diesem tageszeitlichen Rhythmus nachzuempfinden: z.B. 2/3 der Hydrocortisondosis morgens, 1/3 verteilt auf mittags und spätnachmittags bzw. abends. Hierbei treten keine Nebenwirkungen auf.

Immunsupressive Glucocorticoid-Dauertherapie
Hierbei geht es darum, mittels hoher Glucocorticoidmengen z.B. eine Entzündungsreaktion möglichst schnell zu unterdrücken. Sofern sie nicht in eine Dauertherapie übergeht, müssen chronische Nebenwirkungen nicht befürchtet werden. Wird eine Stoßtherapie allerdings oft durchgeführt (Behandlung von Krankheitsschüben), sollten typische Nebenwirkungen bedacht werden. Dauert die Stoßtherapie länger als 1 Monat oder liegen am Ende eines "Steroidstoßes" Nebenwirkungen vor, muss die Glukokortikoiddosis hinterher ausgeschlichen werden (siehe unten).

Dauertherapie in Tablettenform
Das Ziel dieser Glukokortikoiddauertherapie ist es, die Kontrolle von Symptomen bzw. die Aktivität einer Erkrankung bzw. einer Abstoßungsreaktion zu kontrollieren. Die Dosen sind viel niedriger als bei einer Stoßtherapie, aber eben höher als bei einer Substitutionstherapie. Deshalb muss man mit Nebenwirkungen rechnen. Und deshalb werden – nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt – zusätzliche Medikamente eingesetzt, deren Wirkung auf die Reduktion bzw. Vermeidung von Komplikationen abzielt. So wird empfohlen, mit Vitamin D (und Kalzium) zu behandeln, um der Entwicklung einer Osteoporose vorzubeugen. Gelegentlich muss auch ein Medikament eingesetzt werden, um die Magenschleimhaut zu schützen. Ganz wichtig ist jedoch, dass die durch die Glukokortikoidtherapie gewonnene Lebensqualität dazu benutzt wird, um den Lebensstil an diese Therapie anzupassen: viel Bewegung.

Lokaltherapie (»topische« Anwendung)
Nasentropfen, Hautcremes, Asthmasprays, Darmschaum, Augentropfen, Gelenkinjektionen … es gibt viele Medikamente, die Glukokortikoide enthalten. Hierbei ist zu beachten, dass deren Anwendung ebenfalls die Funktion der Hypophysen-Nebennieren-Achse dämpft bzw. den Knochenstoffwechsel beeinflußt. Wichtig wird es vor allem dann, wenn diese Medikamente zu lange bzw. zu häufig oder gar ohne direkte ärztliche Kontrolle zur Anwendung kommen bzw. wenn sie mit Medikamenten kombiniert werden, die den Abbau von Glukokortikoiden beeinflussen. Das bedeuet, dass Nebenwirkungen zwar seltener als bei der immunsupessiven Dauertherapie in Tablettenform vorkommen, dass sie aber trotzdem auftreten und Ursache vermeidbarer Komplikationen sein können.

Anpassung der Hormonersatztherapie bei Stress
Patienten mit einer Nebennierenunterfunktion können sogenannte Nebennierenkrisen (Addison-Krisen) erleiden. Dies stellen eine bedrohliche Situation dar, so dass die Vorbeugung solcher Krisen außerordentlich wichtig ist. Krisen entstehen dadurch, dass der aktuelle Cortisol-Bedarf des Körpers höher ist, als durch die Ersatztherapie abgedeckt wird. Dies kann bei körperlichen Belastungssituationen (z.B. fieberhafter Infekt, Operationen, intensive körperliche Betätigung) der Fall sein. In manchen Situationen gelingt es dem Körper zudem nicht, die eingenommenen Tabletten in ausreichendem Maße aufzunehmen, z.B. bei Erbrechen oder Durchfall.


Patienten sollten daher folgende Regeln beachten:

1. Grundsätzlich gilt: im Zweifelsfall kann stets großzügig kurzfristig die Tagesdosis erhöht werden.

2. Bei leichter körperlicher Belastung (z.B. Erkältung, leicht fieberhafter Infekt, kleiner operativer Eingriff in örtlicher Betäubung): Erhöhung der täglichen Glucocorticoiddosis. Faustregel: Verdoppelung bis Verdreifachung der Dosis für den Zeitraum der Beschwerden (oft reichen 2-4 Tage).

3. Bei starker körperlicher Belastung (geplante Operationen mit Narkose, größere Verletzungen, Entbindung): Gabe von 100-150 mg Hydrocortison in 5% Glucose über 24 h kontinuierlich als Infusion. Fortführung dieser Therapie, solange Intensivpflichtigkeit besteht.

4. Um eine dauerhafte Übertherapie zu vermeiden, muss nach Abklingen der jeweiligen Belastungssituation stets wieder die Ausgangsdosis angestrebt werden. Bei kurzfristiger körperlicher Belastung (Fußballtraining, Dauerlauf, große Wanderung) können einmalig 5-10 mg Hydrocortison (bzw. ¼ oder ½ Tbl Prednisolon 5 mg) ca. 1-2 h vor Beginn der geplanten Aktivität zusätzlich eingenommen werden. Dies gilt auch bei extremer psychischer Belastung (z.B. Examensstress).

5. Achtung: Sobald Situationen mit Erbrechen und Durchfall auftreten, ist die Aufnahme des in Tablettenform eingenommenen Hydrocortisons oder Prednisolons nicht mehr sicher gewährleistet. In diesen Situationen muss unbedingt (auch am Wochenende!) ärztliche Hilfe zur intravenösen Verabreichung des Hydrocortisons aufgesucht werden (z.B. 100 mg Hydrocortison über die Vene).

Hinweise
Sie sollten immer den Notfallausweis bei sich führen, unter anderem da auch manche Ärzte "Cortisol" für gefährlich halten – Sie es aber lebensnotwendig brauchen! Patienten, die Medikamente einnehmen, die den Cortison-Abbau im Körper beschleunigen, z.B. Antiepileptika, Mitotane, benötigen in der Substitutionstherapie und im Notfall entsprechend höhere Dosen!


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