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Transsexualismus/Intersexualität ein unbekanntes Phänomen?!

14.12.2016

Transsexuelle oder intersexuelle Menschen werden in der Öffentlichkeit oftmals als „Sonderlinge/Exoten“ etc. wahrgenommen. Vielen Menschen ist dabei nicht bewusst, dass es sich um massive Störungen der Geschlechtsidentität handelt und Betroffene oftmals einen langen Leidensweg hinter sich haben. Als Transsexualismus bezeichnet man eine bestimmte Form von Störung der Geschlechtsidentität. Dabei handelt es sich nicht um eine Störung der Sexualität sondern der Geschlechtsidentität („Trans-identität“) bzw. der Geschlechtsrolle („Trans-gender“). Die Betroffenen haben das sichere Gefühl „im falschen Körper gefangen“ zu sein. Die dauerhafte Gewissheit, sich dem biologisch anderen Geschlecht zugehörig zu fühlen, die Ablehnung der mit dem biologischen Geschlecht verbundenen Rollenerwartungen und der drängende Wunsch, sozial und juristisch anerkannt im gewünschten Geschlecht zu leben, kennzeichnen den Transsexualismus (Transidentität) und erklären den enormen Leidensdruck. Aus einer in unterschiedlichem Maße auftretenden Ablehnung der Merkmale des angeborenen Geschlechtes resultiert u.a. das Bedürfnis, durch hormonelle und chirurgische Maßnahmen soweit wie möglich die körperliche Erscheinungsform dem Identitätsgeschlecht anzugleichen.
Im Gegensatz dazu liegt bei der Intersexualität eine Störung der sexuellen Differenzierung (»disorders of sexual development«,DSD) vor, es handelt sich um verschiedene Krankheitsbilder, bei denen die Entwicklung des chromosomalen, gonadalen und phänotypischen Geschlechts verändert ist. In einigen Fällen werden dann aus medizinischen Gründen die Gonaden entfernt, da ein erhöhtes Risiko zur Entwicklung maligner Erkrankungen besteht.
Bei der Transsexualität/Intersexualität handelt es sich – bezogen auf die Gesamtbevölkerung – zwar um seltene Phänomene, jedoch besteht erheblicher Leidensdruck bzw. besteht die medizinische Indikation zur Intervention, daher sollten sich Betroffene in spezialisierten Zentren beraten lassen, in denen unterschiedliche Fachdisziplinen zusammenarbeiten um einen entsprechenden individualisierten Behandlungsplan zu erstellen.